Jobsuche: Würden Sie ein Bewerbungsgespräch mit einem Roboter führen?
Aus dem Handelsblatt-Archiv: Interviews mit KI-Recruitern sollen Bewerbungsprozesse schneller und fairer machen. Für Unternehmer erweist sich das als hilfreich. Aber wie ist es für die Bewerber am Bildschirm?
Ein Online-Interview mit einem Roboter ist immer mehr an der Tagesordnung bei Bewerbungen bei Unternehmen. Felix Müller, ein Softwareentwickler, bekam während eines KI-Interviews einen Avatar vor sich, der Standardfragen stellte. Tägliche Gespräche mit einer KI sollen Unternehmen helfen, viele Bewerber schnell zu gewinnen und auszuwählen, da KI-Recruiter rund um die Uhr zu jeder Tages- und Nachtzeit sprechen können.
Allerdings fühlen sich viele Jobsuchende mit einem KI-Interview nicht wohl. In einer US-Umfrage gaben 42% der deutschen Bewerber an, einen Bewerbungsprozess abgebrochen zu haben, weil es ein KI-Interview beinhaltete. Forscher der Stanford University haben herausgefunden, dass eine Abbruchquote von 75% bei Bewerbern, die ein KI-Interview führten, herrschte.
KI-Recruiter sollen den Auswahlprozess verkürzen und die Chance für Bewerber geben, mehr von sich zu zeigen. Ein Vorzug von KI-Interviews ist, dass sie diskriminierende Urteile verhindern können, da sie keine äußeren Merkmale berücksichtigen. Trotzdem haben Menschen mit Migrationshintergrund offenbar offener für KI-Interviews. In der Forschung wird eine "Emotional Creepiness" bezeichnet, also ein tiefes Unbehagen, das durch KI entsteht, die fast wie ein Mensch aussieht und wirkt, aber eben nicht ganz.
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