Jobsuche: Würden Sie ein Bewerbungsgespräch mit einem Roboter führen?
Aus dem Handelsblatt-Archiv: Interviews mit KI-Recruitern sollen Bewerbungsprozesse schneller und fairer machen. Für Unternehmer erweist sich das als hilfreich. Aber wie ist es für die Bewerber am Bildschirm?
Als 26-jähriger Softwareentwickler arbeitet Felix Müller für einen großen Chemiekonzern. Er ist offen für neue Möglichkeiten und bewirbt sich gelegentlich auf vergleichbare Stellen bei anderen Unternehmen. Bei einem KI-Interview mit einem virtuellen Recruiter fühlte er sich von seinem Gespräch als "seltsame Erfahrung" und wünschte sich ein Gespräch mit einem echten Menschen.
In Deutschland scheinen viele Bewerber mit KI-Interviews nicht zufrieden zu sein. 42 Prozent von ihnen haben bereits einen Bewerbungsprozess abgebrochen, der KI-Interview enthielt. Wolfgang Brickwedde, Leiter des Instituts für wettbewerbsorientierte Rekrutierung (ICR) in Hamburg, verweist darauf, dass es schwer zu messen ist, wie viele qualifizierte Bewerber wegen KI-Interviews abgebrochen werden.
Eine Studie der Universität Stanford zeigte, dass bei einem Junior-Frontend-Engineer-Stellenangebot über 34.000 Bewerbungen eingegangen waren, von denen nur drei Viertel die KI-Interview abgeschlossen haben. KI-Interviews sollen Auswahlprozesse beschleunigen und mehr Bewerber Möglichkeiten bieten, sich zu zeigen. KI könnte auch dazu beitragen, Diskriminierung zu vermeiden.
Allerdings könnte eine falsch programmierte Software Emotionscreepiness auslösen – tiefes Unbehagen, das durch KI verursacht wird, die fast wie ein Mensch aussieht, aber nicht ganz ist. Selbst wenn KI-Recruiter vorurteilsfrei sind, bleibt die Frage, wie sich Bewerber an KI-Interviews fühlen.
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