Börse: Chip-Aktien brechen weltweit ein – Warnung vor Casino-Mentalität
Die Chipbranche hat sich an der Börse zuletzt stabilisiert. Jetzt trifft sie eine neue Verkaufswelle – ausgelöst ausgerechnet von einem ihrer wichtigsten Vertreter.
Börsen weltweit erleben einen Rückgang der Aktienpreise von Unternehmen, die Halbleiter und Chiptechnologie herstellen. Dies betrifft insbesondere Unternehmen aus Südkorea, wie SK Hynix, der Aktie ist um bis zu elf Prozent gefallen, und Samsung, der neun Prozent einbüßte. Auch deutsche Unternehmen wie Infineon, Suss Microtec und Aixtron sind betroffen.
In Europa ist ASML betroffen, der ein wichtiger Lieferant von Chipzulieferern ist. Auch in den USA sind Chipwerte wie Micron Technology und Broadcom betroffen. Die Experten von Dekabank imessen die Verluste auf die Warnungen von Hock Tan, dem Chef von Broadcom, der voraussagte eine übermäßige Anhäufung an KI-Investoren und Finanzierungsprobleme als Grund für die Ausverkäufe.
Tan kritisierte am Montag auf einer Technologiekonferenz in Singapur die aktuellen Entwicklungen am Aktienmarkt und verglich KI-Investoren mit Glücksspielern. Er sagte, dass viele Investoren „nicht ahnen, worin sie investieren“ und sehr „extreme Erwartungen“ haben, was zu einem „Casino-Affen“ führe. Die Aktien von Chipunternehmen waren in der ersten Jahreshälfte ein Teil der Rallye der KI-Währungen.
Eine hohe Nachfrage nach Speicherchips, begrenzt durch ein begrenztes Angebot, ermöglichte außergewöhnliches Wachstum. Seit Mitte Juni sind die Aktien jedoch wieder gestürzt, da Tan auch die Möglichkeit eines Kapitalmangels zur Diskussion stellte, der die Entwicklung neuer Modelle und den Bau von Rechenzentren finanzieren könnte. Ökonom Thorsten Slok argumentiert, dass die erwarteten Investitionen in Rechenzentren durch Unternehmen wie Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle um 892 Milliarden Dollar steigen könnten.
Die Sorgen um den weiteren Ausbau der KI sind auch in China zu beobachten, wo der Speicherchiphersteller CXMT Fortschritte bei der Entwicklung einer neuen DRAM-Architektur erreicht hat. Dieser Speicher-Typ ist der weltweit am häufigsten verwendete und dient als Arbeitsspeicher, um Programme schnell laufen zu lassen. Analysten sind jedoch skeptisch, ob die Gewinne langfristig so stark steigen werden, da einige Aktien mit einem KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von weniger als fünf bewertet werden, was die Booms der Chipbranche gemessen an der kriselnden europäischen Automobilbranche vergleichen lässt. Trotzdem ignoriert der Markt die Bedenken.
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