Arbeitszeit: Arbeitszeitbetrug: So können sich Unternehmen wehren
Wäsche waschen, einkaufen, Netflix schauen: Immer wieder erledigen Beschäftigte Privates in ihrer Arbeitszeit. Wo der Betrug beginnt und was Unternehmen dagegen machen können.
Arbeitszeitbetrug in Deutschland ist weit verbreitet, wobei 13 Prozent von 1000 Arbeitnehmern ihre Arbeitszeit regelmäßig nicht richtig erfassen, wie eine Umfrage des Consumerfieldwork-Instituts zeigt. Drei Viertel der Befragten haben bereits Privates erledigt, obwohl sie eigentlich arbeiten mussten.
Arbeitszeitbetrug ist kein leicheres Vergehen, sondern hat enorme volkswirtschaftliche Auswirkungen, betont Sascha Stowasser, der das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft leitet und sich seit vielen Jahren mit Veränderungen in der Berufswelt beschäftigt. Fehlzeiten sind für Unternehmen sehr teuer, und es ist wichtig zu verstehen, wann schlechte Arbeitsmoral beginnt und wann Betrug einsetzt.
Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Fuhlrott erklärt, dass Arbeitszeitbetrug rechtlich eindeutig ist: Wer vorsätzlich so tut, als würde er arbeiten, dabei aber etwas anderes macht, betrügt. Eine kurze, nicht angezeigte Pause gilt jedoch nicht als Pflichtverletzung. "Wenn jemand aber nur 20 statt der 40 vereinbarten Wochenstunden arbeitet, handelt es sich hierbei um eine Pflichtverletzung", sagt Fuhlrott.
Die Folgen von Arbeitszeitbetrug können weitreichend sein. Im schlimmsten Fall droht eine fristlose Kündigung, wie 2025 im Kölner Landesarbeitsgericht belegt wurde, wo ein Fahrkartenkontrolleur, der seine Arbeitszeit bei seiner Freundin, in Cafés oder beim Friseur verbracht hatte, gekündigt wurde und die Kosten für einen Detektiv übernehmen musste.
Arbeitnehmer sollten jedoch wissen, dass eine fristlose Kündigung mit einer dreimonatigen Sperrfrist beim Arbeitslosengeld verbunden ist. Arbeitszeitbetrug ist kein neues Problem, sondern hat sich auch schon vor Jahrzehnten in heimlichen Privataktivitäten am Arbeitsplatz eingestellt. Laut Arbeitswissenschaftler Stowasser entsteht dieser Betrug oft durch schlecht gesetzte Ziele und mangelnde Führung. Chefs müssen in Gesprächen herausfinden, was realistische Ziele für ihre Mitarbeiter sind.
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