Transformation: Welche Klimaschutzmaßnahmen sich lohnen – und welche nicht
Unter dem bürokratischen Begriff CO₂‑Vermeidungskostenkurve sortiert der Thinktank Epico Klimaschutz nach Kosten. Die Erhebung zeigt viel Potenzial – aber oft muss der Staat nachhelfen.
Jede eingesparte Tonne CO₂ trägt zum Klimaschutz bei, aber die Kosten von CO₂-Einsparungen reichen von sehr niedrig bis sehr hoch. Der Thinktank Epico prüfte die Kosten von 128 Dekarbonisierungsmaßnahmen in den Bereichen Energie, Industrie, Gebäude und Verkehr und erstellte eine CO₂-Vermeidungskostenkurve. Der wichtigste Ergebnis zeigt, dass ab einem CO₂-Preis von 200 Euro pro Tonne alle Emissionsminderungen wirtschaftlich sinnvoll sind.
Allerdings sind staatliche Anschubfinanzierungen für viele Maßnahmen erforderlich. Der von Epico geschätzte CO₂-Preis von 200 Euro gilt für das Jahr 2050. In Deutschland haben die Sektoren Energie und Industrie einen Preis von etwa 80 Euro pro Tonne für die Teilnahme am europäischen Emissionshandelssystem (ETS). Der Preis für den CO₂-Grenzausgleich und für CO₂-Bepreisung nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz liegt in Deutschland in einem Korpus zwischen 55 und 65 Euro für 2026.
Mit steigenden Preisen erhöht sich der Anreiz, auf klimafreundliche Technologien umzusteigen. Für Einzelhaushalte wäre eine CO₂-Preis von 200 Euro die Schwelle für Investitionen in Dekarbonisierung. Epico-Chef Bernd Weber sagt, dass die Anfangsinvestitionen für private Haushalte der größte Hinderling sind und staatliche Hilfe über CO₂-Einnahmen hilfreich sein könnten.
Für die Industrie seien die Herausforderungen anders, da über den CO²-Preis hinaus gezielte Übergangsinstrumente benötigt werden, um hohe Betriebskosten auszugleichen. Epico spricht für eine Kombination verschiedener Instrumente: eine starke EU-Emissionshandel, einen wirksamen CO²-Grenzausgleich, Leitmärkte für klimafreundliche Produkte, den Ausbau der Wasserstoff- und CO₂-Infrastruktur, staatliche Förderung für Betriebskosten und Übergangsinstrumente wie Differenzverträge.
Diese ermöglichen es Unternehmen, die Mehrkosten von Investitionen in klimaneutrale Verfahren auszugleichen. Viele Experten teilen die Erkenntnis, dass allein der ETS für die industrielle Transformation nicht ausreicht und zusätzliche Instrumente benötigt werden. Felix Matthes vom Öko-Institut fordert eine Förderung des Wasserstoff-Hochlaufs, den Aufbau einer CCS-Infrastruktur und die Elektrifizierung.
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