DATENANALYSE - Gespaltenes Deutschland: So unterschiedlich sind West und Ost bis heute
Auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt die wirtschaftliche Lücke zwischen den beiden Landesregionen gross. Eine Übersicht in sechs Grafiken.
35 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigt sich die wirtschaftliche Kluft zwischen West und Ost in Deutschland nach wie vor. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Hamburg über 80.000 Euro erreicht, liegt es in vielen ostdeutschen Bundesländern bei nicht einmal der Hälfte davon. Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die Bundesländer, die Wahlen im September beherbergen, sind unter dem deutschen Durchschnitt.
Trotz zahlreicher kleiner und mittelständischer Betriebe fehlen in den ostdeutschen Bundesländern große Industrie- und Dienstleistungskonzente, die zur Wertschöpfung beitragen. Nach der Wiedervereinigung begannen West- und Ostdeutschland in unterschiedlichen Wegen. Während der Westen aufgebaut wurde, herrschte in Ostdeutschland Knappheit.
Der BIP je Einwohner ist seit der Wiedervereinigung keine deutliche Angleichung erreicht worden. Der Überschwang der protestanten Parteien, insbesondere der AfD, lässt auf die wirtschaftliche Spaltung schließen. Ein möglicher Grund könnte die enorme Zahl von Menschen, die von Ost nach West gezogen sind, sein. Seit der Wiedervereinigung sind mehr Menschen vom Osten in den Westen umgezogen als umgekehrt.
Jüngere Menschen in den neuen Bundesländern zogen häufig in den Westen, um zu studieren oder berufstätig zu werden und nie zurückzukehren. Dies wirkte sich auf die Bevölkerung, die im erwerbsfähigen Alter ist, aus und erschwert die wirtschaftliche Entwicklung. Forschungsaktivitäten, oft als Vorbote wirtschaftlichen Aufschwungs angesehen, sind in ostdeutschen Bundesländern weit hinter denen im Westen zurück.
Viele Ostdeutsche fühlen sich von den Eliten schlecht vertreten und sind in vielen Bereichen unterrepräsentiert. Dies trägt ebenfalls zum Minderwertigkeitsgefühl bei. Auch bei der Vermögenssituation ist ein deutlicher Unterschied zu beobachten. In ostdeutschen Bundesländern besitzt ein Haushalt im Durchschnitt weniger als die Hälfte der Vermögenswerte im Nord- und Südwesten des Landes.
Das liegt an unterschiedlichen Rahmenbedingungen in der Vergangenheit. Während Vermögen im Westen über Generationen weitergegeben wurden, verstaatlichte die DDR Familienbetriebe und verbot Handel mit Aktien oder Wertpapieren.
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