Mit KI zum Supermedikament: Sind Firmen wie Anthropic, Open AI und Co. die besseren Pharmakonzerne?
Künstliche Intelligenz verspricht schnellere und präzisere Resultate bei der Erforschung neuer Arzneimittel. Das zwingt die etablierten Hersteller zu einem radikalen Umdenken.
Künstliche Intelligenz (KI) verspricht schnellere und präzisere Ergebnisse bei der Erforschung neuer Arzneimittel. Dies zwingt etablierte Hersteller wie Novartis und Eli Lilly dazu, ihre Strategien radikal zu überdenken. Marcel Salathé, ein Schweizer KI-Experte und Epidemiologe, fragt sich in einem Linkedin-Post, ob man überrascht wäre, wenn eines Tages eine KI-Firma wie Anthropic Novartis übernimmt. Salathé hält die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios im einstelligen Prozentbereich.
Anthropic, das von dem Biophysiker Dario Amodei geleitet wird, gewinnt zunehmend an Bedeutung in der pharmazeutischen Branche. Im April wurde der Novartis-Chef Vas Narasimhan in den Verwaltungsrat von Anthropic berufen, um dort sein Pharmawissen einzubringen. Die Personalüberschneidung zwischen Anthropic und Novartis deutet auf eine enge Zusammenarbeit hin.
KI-Unternehmen investieren Milliarden in die Entwicklung von Supercomputern und Kooperationen mit pharmazeutischen Unternehmen. Roche hat seine Supercomputer-Plattform AI Factory mit Nvidia ausgebaut, während Eli Lilly sich als Konkurrent hervortut. Zusätzlich gehen die Ausgaben für Kooperationen mit KI-Unternehmen zu Lasten von Hunderten von Millionen Dollar.
Die Erweiterung von KI-Infrastruktur, einschließlich autonomer Labs, ist ebenfalls notwendig. Hochleistungscomputer und neue, stärker automatisierte Labors sind notwendig, um einen messbaren Nutzen aus den Investitionen abzuleiten.
Die zunehmende Bedeutung von KI in der Forschung und Entwicklung zeigt sich auch bei der Entscheidungsfindung in der Pharmaindustrie. Bei Roche haben 40 Prozent aller Entscheidungen in den letzten drei Quartalen eine fundamentale Rolle von KI gespielt. Die Managerin Aviv Regev von Genentech gibt jedoch als Warnung vor, dass man das Vertrauen in KI nicht überstrapazieren sollte.
Für Michael Kunz von der Luzerner Kantonalbank liegen die größten Chancen in der KI im Bereich der Zeitersparnis. Durch die schnelle Durchführung möglicher Wirkstoffkombinationen und die Identifizierung geeigneter Patienten für klinische Studien könnten sich die Ergebnisse verbessern. Stefan Schneider von Vontobel ist jedoch skeptisch, ob KI-Firmen in Zukunft in der Lage sein werden, pharmazeutische Konzerne konkurrenzieren zu können.
Er betont, dass die Resultate der Forschung und Entwicklung nach wie vor in klinischen Studien mit Menschen getestet werden müssen, wobei rechtliche und Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden müssen.
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