INTERVIEW - «Wenn die Schweiz nur noch Luxusuhren macht, reicht das wahrscheinlich nicht»
Die Schweizer Uhrenindustrie exportiert immer weniger Uhren. Die auf Luxusgüter spezialisierte Deloitte-Partnerin Karine Szegedi erklärt, warum das für Zulieferer zum Problem wird – und warum «Swiss made» allein nicht mehr genügt.
Die Schweizer Uhrenindustrie erlebt einen Rückgang der verkauften Stückzahlen, was insbesondere die Zulieferbetriebe belastet. Karine Szegedi, eine Partnerin von Deloitte, erklärt, dass tiefere Stückzahlen ein Problem darstellen, solange teure Uhren gut Geld verdienen, weil es hinter den Marken ein ganzes industrielles Ökosystem gibt.
Zulieferer benötigen eine gewisse Auslastung, um Maschinen, Fachkräfte und Know-how aufrechtzuerhalten. Wenn die Preise der Uhren weiter steigen, wird die Zahl der potenziellen Käufer sinken. Viele Zulieferbetriebe suchen nun nach neuen Märkten oder diversifizieren ihren Bereich.
Die Studie zeigt eine Spaltung in den Einstellungsbereichen: Für hochpreisige Uhren (ab 50.000 Franken) sind 90 Prozent der Zulieferbetriebe optimistisch, während 71 Prozent pessimistisch sind. Dies deutet darauf hin, dass sich die Schweizer Uhrenindustrie mit ihrer immer stärkeren Ausrichtung auf das hochpreisige Segment selbst in Schwierigkeiten gebracht hat.
Das Schweizer Lohnniveau, der starke Franken, steigende Goldpreise und hohe Fertigungsanforderungen machen die Produktion teuer, während gleichzeitig das Schweizer Know-how für komplizierte Uhren und spezielle Handwerkstechniken international sehr geschätzt wird.
Im Bereich von etwa 1000 bis 3000 Franken gibt es relativ wenige Schweizer Anbieter. Dies ist ein wichtiges Einstiegssegment für mechanische Uhren. Die Schweiz könnte in Märkten wie Indien, Mexiko oder den USA mit mehr Angeboten in diesem Preissegment mehr Uhren verkaufen. Der Preis allein reicht nicht; es sind auch gute Ideen und Produkte erforderlich, die Begehrlichkeit auslösen.
Neue Kollaborationen können ein neues Konzept bringen, um ein Einstiegssegment wiederbeleben. Ein wichtiges Kriterium für den Kauf einer Uhr ist der Preis-Leistungs-Verhältnis.
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