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Geldanlage: 13.000 statt 1900 Prozent Rendite – Sind gehebelte ETFs besser als ihr Ruf?

Experten warnen vor gehebelten Investments, die Kursentwicklungen verdoppeln sollen. Dabei liegen alle Produkte seit ihrer Auflage im Plus, zeigt eine Handelsblatt-Auswertung.

Geldanlage: 13.000 statt 1900 Prozent Rendite – Sind gehebelte ETFs besser als ihr Ruf?

Verbrauchervertreter und Anlageexperten warnen vor Hebel-ETFs, die darauf abzielen, die tägliche Börsenbewegung zu verdoppeln. Anlagenprofis weisen auf das hohe Risiko bei der Nutzung dieser Produkte hin. Die Vergleichsplattform JustETF gibt an, dass es in Deutschland zehn gehebelte Aktien-ETFs gibt. Jeder von ihnen übertrifft seit seiner Einführung die ungehebelte Version.

Der ETF des Anbieters Amundi, der den US-Technologieindex Nasdaq 100 widerspiegelt, ist seit seiner Gründung im Jahr 2006 um 13.000 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum stieg ein klassischer Nasdaq-ETF um knapp 2000 Prozent. Man könnte denken, dass Hebel-ETFs eine bessere Rendite bieten als ihr Ruf. Doch sind sie wirklich besser als die üblichen ETFs?

Die Konzepte dieser Produkte erinnern an die Verdoppelung der Kursentwicklung eines Index in Tagesregelmäßigkeit. In Deutschland gibt es solche ETFs für verschiedene Indizes. Eine Steigerung des Index um ein Prozent führt zu einer Steigerung des Hebel-ETFs um zwei Prozent. Das Konzept klingt verlockend, aber Experten sind vorsichtig.

Der Produktchef von Quirin Privatbank, Matthias Lamberti, betont, dass "Kein Mensch braucht Hebel-ETFs. Die haben beim langfristigen Vermögensaufbau nichts zu suchen." Er kritisiert die wachsende Beliebtheit dieser Produkte, da Anleger sie nicht als Investition, sondern als Spekulation nutzen würden. "Die Deutschen sind Spar-Weltmeister.

Lasst uns daraus Kapitalmarkt-Champions machen und nicht gehebelte Spekulanten." Der Verbraucherzentrale NRW ratet Vorsicht bei Hebel-ETFs. "Das sind Produkte, die sich höchstens für professionelle Anleger eignen, die wissen, was sie tun, und sich im Zweifel Verluste leisten können." Das Hauptrisiko sind Hebel-ETFs, die nur dann besser als der zugrunde liegende Index abschneiden, wenn der Kurs konstant steigt.

Anlagenexpert Ralf Scherfling zieht Parallelen zu einer Wette und argumentiert: "Natürlich kann man damit Geld verdienen – dafür muss ich aber auch richtigliegen." Ein weiteres Risiko ist, dass der Hebel auch nach unten wirkt, wenn die Kurse fallen. An einen Tag, an dem der Index um ein Prozent verliert, verliert der Hebel-ETF um zwei Prozent.

Binnen weniger Tage kann der Kurs massiv sinken. Der Pfadabhängigkeit unterliegt das Hebel-ETF, was bedeutet, dass die langfristige Rendite vom Verlauf von Gewinn- und Verlusttagesfolge abhängt. Nach einem Verlusttag startet die tägliche Berechnung auf einem niedrigeren Niveau, nach einem Gewinn auf einem höheren Niveau. Diese Effekt kann dazu führen, dass der Hebel-ETF während einer Seitwärtsphase sogar noch weniger performt als der Index.

Die Performance von Hebel-ETFs gegenüber einem klassischen Index ist beispielsweise während der Börsencrashphase zur Zeit der Coronapandemie im Frühjahr 2020 um bis zu 54 Prozent geringer. Schließlich ist die Path-Abhängigkeit ein wichtiger Faktor für die langfristige Rendite. Hebel-ETFs gelten nicht als Investmentprodukte für Anleger ohne Finanzkenntnisse.

Arne Scheehl, Produktentwickler für ETFs bei der Amundi Fondsgesellschaft, erklärt: "Wir als ETF-Anbieter wollen nicht, dass Kunden, die nur über Basiswissen verfügen, diesen Produkttyp kaufen." Die Finanzierungskosten des Hebel-ETFs erhöhen die effektiven Kosten, da er sich für jedes Euro, das er ausleihen muss, einen weiteren Euro an Zinskosten anrechnet.

Trotzdem sehen die Anbieter Hebel-ETFs ihre Berechtigung. "Wir reden oft über das Core-Satellite-Portfolio", sagt Scheehl. Das bedeutet, dass ein breit gestreutes Kernportfolio mit gezielten, risikoreicheren Einzelinvestments ergänzt wird. Für Anleger mit hoher Risikobereitschaft könnten Hebel-ETFs als Satelliten zu einem solchen Kernportfolio dienen.

Lamberti ist jedoch davor warnend: "Wenn man spielen möchte, dann soll man mit Einzelwerten spielen und unterbewertete Einzelaktien suchen."

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