Deep Read: Nutzt Deutschland das Arbeitskräftepotenzial von Müttern zu wenig?
Deutschland klagt über Fachkräftemangel, gleichzeitig arbeiten viele gut qualifizierte Mütter in Teilzeit oder gar nicht. Der Vergleich mit anderen Ländern zeigt: Es geht auch anders.
Die deutsche Arbeitskräftepolitik wird von vielen als problematisch angesehen, da Mütter in Deutschland nur eine geringe Anzahl von Arbeitsstunden leisten. Während fast keine anderen OECD-Länder ein ähnliches Bild aufweisen, ist der Grund darin zu suchen, wie staatliche Regeln, Betriebskultur und familiäre Arbeitsteilung zusammenwirken.
Dieses System entstand aus der Entwicklung des Familienmodells in Deutschland, von einem Alleinverdienermodell zu einem Zuverdienermodell. Die Lage ist paradox, denn trotz steigender Erwerbsbeteiligung von Müttern gibt es eine erhebliche Zahl von Fachkräftemangel, insbesondere in Kitas. Einige Argumente sind steuerrechtliche Aspekte wie Ehegattensplitting, beitragsfreie Mitversicherung und steuerlich begünstigte Minijobs, die jede zusätzliche Arbeitsstunde für Zweitverdiener unattraktiv machen.
Experten fordern eine Reform des Steuer- und Transfersystems und einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung. Das Ifo-Mikrosimulationsmodell projiziert rund 49.000 zusätzliche Vollzeitstellen, vor allem durch Zweitverdienende.
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