Die neue, ungleiche Welt der Superstar-Firmen: Während sie gigantische Gewinne erzielen, sinkt die Lohnquote der Erwerbstätigen
Der Graben zwischen Kapital und Arbeit wächst: Die grossen Techkonzerne verdienen zwar Hunderte Milliarden, schaffen aber kaum neue Arbeitsplätze. Anders läuft es in der Schweiz.
Die Kluft zwischen Reichen und Armen vergrößert sich: Große Tech-Konzerne sammeln Renditen in Milliardenhöhe, schaffen aber nur wenige neue Arbeitsplätze. Dies gilt insbesondere für die Schweiz, in der bisher noch keine Firma einen Profit annäherte dem von Nvidia. Diese Firma wird 2024 einen Reingewinn von 360 bis 370 Milliarden Dollar erwirtschaften, was doppelt so viel Geld ist wie der Gesamtüberschuss aller Schweizer Unternehmen.
Nvidia beschäftigt lediglich 40.000 Mitarbeiter, was einem Gewinn von fast 10 Millionen Dollar pro Mitarbeiter entspricht. Im Vergleich liegt der Gewinn pro Kopf bei Novartis nur bei 180.000 Dollar.
Die amerikanische Wirtschaft befindet sich in einer paradoxen Lage: Unternehmen sind kraftvoll und mächtig, doch die Löhne werden hinterherhinken. Nvidia ist nur die Spitze des Eisbergs. Tech-Giganten wie Alphabet (Google), Apple oder Amazon übertreffen bei Gewinnen die 100-Milliarden-Marke. Der Aktienindex S&P 500 hat seit Anfang 2023 fast das Doppelte ausgebucht.
Der Boom hat zu einer Quote von fast 14 Prozent für die Gesamtgewinne am US-BIP geführt, ein Spitzenwert, der die 5-7-Prozent-Schwankungen der 1990er Jahre übertrifft.
Der Rückgang der Löhne im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum ist in den angelsächsischen Medien zu einem prominenten Thema geworden. Der Finanztime berichtete, dass „die Unternehmensglücklichkeit die Ungleichheit in den USA verschärft“. Der «Wall Street Journal»-Commentator Greg Ip stellte fest, dass Gewinne "zu einer unverhältnismässigen Steigerung des Kapitals" und nicht in die Arbeit fließen.
Stefan Legge, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen, analysiert die Auswirkungen des Rückgangs der Lohnquote und sieht weitreichende Folgen für Politik und Gesellschaft: "Die amerikanische Wirtschaft zeichnet ein robustes Wachstum, aber dennoch herrscht unter den Bevölkerungswellen eine latente Unzufriedenheit. Eine düstere Sichtweise nimmt die Bank Goldman Sachs ein, wonach KI bis zu einem Viertel aller Arbeitsstunden automatisieren und bis zu 6-7 Prozent aller Arbeitsplätze verdrängen könnte.
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