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Geldanlage: Wie lange können die Aktienmärkte den hohen Zinsen trotzen?

Die Anleiherenditen in den USA sind so hoch wie zuletzt 2002. Die Aktienmärkte notieren aber nahe ihren Rekordhochs. Doch das täuscht. Unter der Oberfläche der Indizes brodelt es.

Geldanlage: Wie lange können die Aktienmärkte den hohen Zinsen trotzen?

Die Anleiheindustrie gibt Alarm Signal für Krisen, aber die Aktienmärkte zeigen derzeit kein Krisenverhalten. Der breit gestreute Index S&P 500 und der Technologieindex Nasdaq 100 haben bereits am Dienstag ein Rekordhoch erreicht. In Europa sind die Aktienindizes zwar nicht weit unter ihren höchsten Stand, aber auch nicht in der Nähe derselben.

Die breit gestreute Stoxx Europe 600 ist nur fünf Prozent unter ihrem Höchststand, ebenso wie der deutsche Leitindex Dax. Dies deutet darauf hin, dass Anleger die Risiken ignorieren, die mit steigenden Kapitalmarktzinsen einhergehen. Die große Frage lautet also: Wie lange können die Aktienmärkte den hohen Anleiherenditen widerstehen?

Die Antwort hängt von vielen Faktoren ab. Die Gewinne der Unternehmen sind wichtig und steigen. Im S&P 500 stiegen die Konzerngewinne im zweiten Quartal um 34 Prozent zum Vorjahr, in der Stoxx 600 um 24 Prozent. Die Experten von Deutschen Bank gehen davon aus, dass die Gewinne weiter steigen. Im S&P 500 erwarten sie einen Anstieg von 27 Prozent im dritten Quartal und in der vierten Quartal von 28 Prozent.

Im Stoxx 600 gehen sie mit einer Steigerung von 20 bis 24 Prozent aus. Das wird durch hohe Nachfrage nach Produkten der Unternehmen ermöglicht, die höhere Preise weitergeben können, was zu höheren Umsätzen führt. Allerdings gibt es auch Bedenken. Fast die Hälfte der Aktien liegt tief im Minus. Ein Teil der Aktien ist unter ihrem 52-Wochen-Hoch um mindestens 20 Prozent.

Sektoral aufgebrochen ist das Bild wenig erfreulich: Sieben von elf Sektoren des S&P 500 beendeten das dritte Quartal mit Verlusten. Besonders stark sind Versorger und Immobilienaktien. Die Sektorverluste sind nicht auf den Index zurückzuführen, sondern auf die Rally von Technologieaktien. Der IT-Sektor verzeichnete im dritten Quartal einen Anstieg von sieben Prozent und trug damit zum Gesamtanstieg des Index bei.

Die Investitionen in Künstliche Intelligenz in den Tech-Sektor tragen entscheidend zu den steigenden Unternehmensgewinnen bei, was die Aktienmärkte stabilisiert. Dennoch belasten die höheren Anleiherenditen den Tech-Sektor. Die höheren Diskontsätze beeinträchtigen Investitionen und ziehen Gewinne in den kommenden Jahren rückwärts.

Axel Botte von Ostrum Asset Management warnt, dass höhere sichere Renditen die Opportunitätskosten von Risikoanlagen erhöhen und hoch bewertete Marktsegmente unter Druck setzen. Die Spannung bei Anleihen liegt bei sechs Prozent, das Niveau, das die US-Staatsanleihen möglicherweise erreichen wird.

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