Die EU geht gegen grünen Etikettenschwindel vor – und sorgt auch bei Schweizer Textilfirmen für grosse Verunsicherung
Das Vorgaukeln ökologischer Versprechen ist beim Kleiderkauf weit verbreitet. Ab Ende September soll damit Schluss sein. Das Risiko dabei: Die neuen EU-Regeln könnten zu weniger statt mehr Nachhaltigkeit führen.
Die Europäische Union greift gegen grünen Marktbedrohungen vor und sorgt für Erregung in der Schweizer Textilbranche. Ab dem 27. September sollen neue EU-Regeln verhindern, dass Unternehmen unbegründete Umweltaussagen über ihre Produkte machen. Diese neuen Empco-Richtlinien, die das Kürzel «Empowering Consumers for the Green Transition» tragen, sollen die Verbraucher für den "grünen Wandel" stärken.
Allerdings weckt die Regulierung Verunsicherung bei den Betroffenen. Thomas Seifried, ein spezialisiertes deutsches Rechtsanwalt, sagt, dass die Unternehmen insgesamt enorme Kosten für die Umsetzung der neuen Regeln haben müssen. Diese müssen ihr gesamtes Produktportfolio und jede Werbekampagne auf unbegründete Umweltaussagen überprüfen.
Die Studie der EU aus dem Jahr 2020 hat gezeigt, dass 53% der Untersuchten Umweltaussagen vage, irreführend oder unbegründet waren. Infolgedessen werden viele Umweltbegriffe wie «umweltfreundlich», «ökologisch», «grün» und «biologisch abbaubar» als allgemeine Umweltaussagen angesehen und dürfen ohne Nachweis einer "hervorragenden Umweltleistung" nicht verwendet werden.
Die spezifischsten Aussagen, z.B. «100 Prozent der für die Herstellung dieser Verpackung verwendeten Energie stammen aus erneuerbaren Quellen», sind erlaubt. Die Schweiz muss die EU-Regulierung ebenfalls befolgen, da viele der dortigen Textil- und Bekleidungsfirmen ihre Produkte auch in die EU exportieren. Firmen wie Odlo, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, haben bereits ihre Produktbeschreibungen neu formuliert und einige Begriffe auf Verpackungen entfernt.
Die neue Regelung hat jedoch auch Auswirkungen auf die Zertifizierung, wobei viele Unternehmen mit Bürokratie und laufenden Anpassungen der Standards zu kämpfen haben.
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