Geldanlage: „Auch eine Rentnerin kann 100 Prozent Aktien vertragen“
Martin Weber hat über Jahrzehnte das Verhalten von Anlegern erforscht. Im Gespräch erklärt er, worauf es beim Aufbau eines Depots ankommt und welchem Irrglauben Anleger nicht anhängen sollten.
Möglich ist es, auch eine Rentnerin, die bis zu 100 Prozent in Aktien investieren möchte, gut vorzubereiten. Das hängt davon ab, was der Anleger will und wie viel Vorkenntnisse er hat. Dennoch ist es wichtig, dass man überhaupt in etwas investiert. Viele Menschen haben Angst, ihr Geld auf dem Kapitalmarkt zu platzieren. Wer ihnen beim ersten Schritt helfen kann, ist der richtige Bankberater.
Der Bankberater sollte jedoch nicht nur die Produkte seiner Bank verkaufen, sondern den Kunden unabhängige Beratung anbieten. Eine gute Lösung wäre, einen honorargebundenen Berater zu finden, der wirklich unabhängig ist. Ein einfaches Portfolio kann aus zwei Dritteln Aktien und einem Drittel Anleihen bestehen. Diese Kombination könnte als Anfang für jeden Anleger ausreichen.
Es ist nicht notwendig, noch Rohstoffe oder Immobilien hinzuzufügen. Eine solche Aufbauweise mag für einige unattraktiv sein, weil sie komplizierter ist und mehr Fachwissen erfordert. Die Entscheidung hängt von dem Anlagzielpersonal ab. Eine 30-jährige Person, die in 40 Jahren einen Sportwagen kaufen möchte, hat ganz andere Kriterien als eine Rentnerin, die geld für ihre Enkel anspart.
Die Zeit, die für das Investieren zur Verfügung steht, bestimmt, wie viel Risiko man eingehen kann. Eine Regel wie Aktienquote ist 100 minus Lebensalter sinnlos. Sogenannte Lebenszyklusfonds sind in den USA sehr beliebt und können eine gute Basis sein. Das Problem ist, dass man nie weiß, welche Aktien und Märkte langfristig gut abschneiden.
Bei einer kurzen Sorge vor Kursbewegungen sollte man weniger Aktien haben als jemand, der sich den Marktschwankungen nicht wohltut. Es ist besser, den Investmentprozess in Richtung breite Diversifikation zu orientieren. Ein ETF auf den MSCI World Index könnte als Anfang gedient haben, aber er investiert nur in US-Aktien und verpasst die Möglichkeit, Schwellenmärkte zu betreten.
In Zeiten von Marktschock ist es wichtig, sich auf das eigene Anlageziel zu konzentrieren und die Strategie beizubehalten, anstatt hektisch zu werden und Aktien zu verkaufen.
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