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Führung: „Die Leute müssen das Gefühl haben, blöd sein zu dürfen“

Der Philosoph Manuel Scheidegger sagt: Dummheit wird unterschätzt. Ein Gespräch über Hoffnungen in KI, falsch verstandenen Scheiterkult – und den Sinn von „Meinungsfasten“.

Führung: „Die Leute müssen das Gefühl haben, blöd sein zu dürfen“

Herr Scheidegger fragt, was er unter "dümmeren Entscheidungen" versteht. Er weist darauf hin, dass immer mehr Menschen gegen wissenschaftliche Erkenntnisse stimmen und rechtspopulistische Wirtschaftspolitik unterstützen, selbst wenn sie wissen, dass dies nicht zu größerem Wohlstand führen wird.

Scheidegger bemerkt einen qualitativen Unterschied in der Denkweise seiner Zeit: eine starke Kognitions-Egozentrik. Menschen orientieren sich stark an ihren eigenen Werten und denken stark aus ihrer eigenen Perspektive. Dies führt zu einem Konflikt zwischen verschiedenen Sichtweisen auf die Welt und zu einer Frontstellung gegenüber etablierten Wissen.

Er betrachtet diesen Trend als Strategie, gegen die "etablierte Klugheit" zu protestieren, anstatt nur zu sagen, dass man etwas "dumms" tut. Er argumentiert, dass es sich dabei oft um eine Pose und Provokation handelt, bei der sich kluge Menschen für klug halten, obwohl sie möglicherweise nicht so klug sind wie sie glauben.

Scheidegger stellt die Frage, ob wir wirklich eine Verdummung erleben oder eher eine Verklugung. Er ist der Meinung, dass es darum geht, dass Menschen nicht wollen, ihre eigenen Perspektiven in Frage zu stellen. Menschen, die sich für klug erachten, neigen dazu, fest an ihren eigenen Blickwinkel zu halten und zu behaupten, dass es nur ihre Perspektive ist.

Er betont, dass es Entscheidungen gibt, die objektiv falsch sind, weil sie unerwünschte Konsequenzen haben, die der Verursacher nicht beabsichtigt hatte. Er ist nicht der Meinung, dass wir aufhören sollten, über Dummheit zu sprechen, sondern dass wir uns gegen Unbelehrbarkeit wehren sollten. Er argumentiert, dass auch Fehler und dumme Fragen kreative Potenzial haben und zu neuen Perspektiven und Veränderungen führen können.

Stattdessen befürchtet er, dass die Künstliche Intelligenz (KI) zu einer "Über-Klugheit" führen wird, die als Gesprächspartner keine Rolle mehr spielt. KI kann zwar viele Bereiche unterstützen, aber sie ist keine echte Intelligenz, die sich verunsichern lassen und zu neuen Einsichten führen kann.

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