Musterdepot: Die veränderte Zinswelt erfordert nicht weniger Aktien, aber andere
Geld hat wieder einen Preis. Kapitalmarktzinsen von über fünf Prozent verändern auch den Aktienmarkt. Musterdepot-Autorin Gabriele Hartmann erklärt, wie sie darauf reagiert.
Die geldpolitische Landschaft hat sich dramatisch verändert und verlangt nicht weniger Aktien, sondern andere Anlagewerte. Nvidia präsentiert seine Quartalszahlen, die als wichtiger Indikator für die Belastbarkeit der Investitionen von Hyperscalern galten. Der Fed-Präsident Kevin Warsh wird bei dem Notenbankermeeting in Jackson Hole seine erste wichtige Grundsatzerklärung abgeben.
Der deutsche Dax erreicht Rekordnähe, aber der Anleihenmarkt erzählt eine andere Geschichte. Die 30-jährigen US-Staatsanleihen verfügen über einen Zinssatz von über fünf Prozent, was seit 2007 nicht erreicht wurde. Weniger als vier Prozent der S&P 500-Aktien bieten eine höhere Dividendenrendite als die zehnjährigen US-Staatsanleihen.
Das Ausweiten der Käufe lang laufender Anleihen durch das US-Finanzministerium hat die Renditen kurzfristig etwas gedrosselt, aber die grundlegende Verschiebung bleibt bestehen. Geld hat wieder einen Preis. Finanzmärkte müssen die Verschuldungssorgen ernst nehmen. Die US-Staatsverschuldung überschreitet 40 Billionen Dollar. Wenn fünf Prozent bei lang laufenden Staatsanleihen keine vorübergehende Anomalie sind, sondern der neue Preis des Geldes, verwandelt sich die Auswahl der Anlagen.
Im Musterdepot bleibt der Rohstoffhandel Glencore unangetastet, da Kupfer und andere Rohstoffe mehr als eine Absicherung gegen Schulden- und Währungsrisiken sind. Sie gehören paradoxerweise zur gleichen Geschichte wie der KI-Boom. Unternehmen wie ASML und AMD haben sich im Absatz mehr als verdoppelt und nahezu verdreifacht, was auf die zunehmende Nachfrage nach KI-Infrastruktur hinweist.
Es wird jedoch ein Subset von Unternehmen zurückgehalten, um Risiken zu managen. Alphabet, Microsoft und TSMC zusammen mit ABB, Schneider Electric und Siemens bleiben im Depot, während Visa und Axa erhöht werden. Diese Unternehmen bieten strukturelle Gewinne und sind weniger von einer möglichen Preisnormalisierung der Aktien abhängig.
Die Lehre dieses Sommers lautet, dass Anleger ein Portfolio benötigen, das mehrere Szenarien aushalten kann, anstatt weniger Aktien zu halten.
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