Inflation: Hohe Lebenshaltungskosten, schwacher Arbeitsmarkt – Deutschland droht Überschuldungswelle
Erst überschuldet, dann pleite: Die hohe Inflation macht immer mehr Privathaushalten zu schaffen. Die Lage könnte sich noch verschärfen. Die Bundesregierung sieht die Entwicklung mit Sorge.
Die Zahl der überschuldeten Verbraucher in Deutschland soll weiter steigen, sagte der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung Patrik-Ludwig Hantzsch. "Angesichts des hohen Kostendrucks und des schwachen Arbeitsmarktes halte ich einen weiteren signifikanten Anstieg für möglich", sagte er. Die Bundesverbraucherschutzministerin Stefanie Hubig (SPD) teilt seine Sorge und nimmt die Entwicklung "sehr ernst".
2025 hatte die Zahl der überschuldeten Erwachsenen erstmals seit 2018 erneut stark zugenommen, mit einem Anstieg von 111.000 Fällen, insgesamt 6 Millionen Menschen betroffen. Die Hauptgefahr liegt in der Kombination mehrerer Belastungen: hohe Lebenshaltungskosten auf einem schwächeren Arbeitsmarkt und bei finanziellen Reserven, die bei vielen Menschen bereits erschöpft sind.
Im Juli lag die Inflationsrate bei 2,8 Prozent, mit 8,3 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen die Energiepreise. Mehr als drei Millionen Menschen waren im Juli arbeitslos. Überschuldung ist darauf zurückzuführen, dass eine Person ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr langfristig begleichen kann und über keine ausreichenden Vermögen oder Kreditmöglichkeiten verfügt.
Sollte eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht möglich sein, kann der betroffene Personen Verbraucherinsolvenz beantragt werden, bei der finanzielles Vermögen und Einkommen an die Gläubiger verteilt werden. Verbraucherinsolvenzen haben im ersten Quartal 2026 bereits 19.679 Fälle verzeichnet, um 6,0 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Hauptbelastungen für Verbraucher sind Wohnen, Energie, Lebensmittel und Mobilität. Steigende Transportkosten treiben die Preise indirekt weiter in die Höhe, vor allem Ölprodukte, chemische Vorprodukte sowie Getreide, Futter- und Düngemittel. Die Unions-Bundestagsfraktion plant steuerliche Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen, fordert aber auch ein stärkeres Vorgehen gegen überhöhte Preise.
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