Nestlé bangt um sein Russland-Geschäft – eine ominöse Firma bittet Putin offenbar um Zwangsverwaltung
Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs ist Nestlé in Russland geblieben. Die Produktion läuft weiter. Im Vergleich zu anderen Fällen ist der Angriff auf den Konzern deshalb eher ungewöhnlich.
Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine ist Nestlé weiterhin in Russland tätig geblieben. Die Produktion läuft weiter und es gab in den vergangenen Jahren keine schwerwiegenden Probleme. Ausgerechnet seit der Invasion im Jahr 2022 hat die Präsidialverwaltung von Wladimir Putin angeblich die Möglichkeit in Betracht gezogen, Nestlé's russische Tochtergesellschaften unter Zwangsverwaltung zu stellen.
Diese Nachricht hat den Aktienkurs des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns getroffen. Laut «Kommersant», einer russischen Zeitung, habe eine kleine Handelsfirma einen Antrag auf Zwangsverwaltung gestellt, die Gründe sei der angebliche Nichtausbau der Produktionskapazitäten und der Nichtexport russischer Produkte ins Ausland. Nestlé selbst sei bisher nicht von den russischen Behörden kontaktiert worden und die Fabriken und Büros arbeiteten weiterhin.
In Russland seien in den vergangenen Jahren mehrere Gesetze erlassen worden, die der Regierung ermöglichen, Unternehmen zu zwangsweise umzugestalten und den Besitz wechseln zu lassen. Russland sei kein Rechtsstaat und es könne keinen offensichtlichen Grund für die mögliche Zwangsverwaltung geben. Nestlé ist einer der westlichen Unternehmen, die in Russland geblieben sind, nach der Invasion.
Das Unternehmen hat zwar den Verkauf von 'nicht-essenziellen' Lebensmitteln eingestellt, aber die Produktion von 'essenziellen' Produkten wie Babymilch, Nescafé, Tierfutter, Frühstücksflocken und Süßigkeiten fortgesetzt. In sieben russischen Fabriken produziert Nestlé diese Produkte. Die Nachfrage der russischen Verbraucher sei robust geblieben und Nestlé habe in Russland Ersatzinvestitionen getätigt, um die Fabriken in Schuss zu halten.
Nestlé hat in Russland seit 2022 keine Werbung mehr gemacht, was normalerweise einen erheblichen Kostenblock darstellt. Die russischen Tochtergesellschaften von Nestlé hätten in den vergangenen Jahren Gewinnrücklagen von 40 bis 50 Milliarden Rubel (380 bis 475 Millionen Franken) angehäuft. Das konzernweite Marketingbudget von Nestlé war jedoch auf etwa 9 Prozent des Umsatzes begrenzt.
Für russische Geschäftsleute wäre eine Übernahme der Nestlé-Aktivitäten interessant wegen der großen Gewinnrücklagen. Das Geschäft mit Babymilch und Kaffee erfordere jedoch einiges an Know-how und es gibt keinen offensichtlichen russischen Konkurrenten.
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