Deindustrialisierung: Jobs in der Autoindustrie verschwinden rasend schnell
Die deutsche Autoindustrie verliert Arbeitsplätze wie nie zuvor: 42.300 weniger binnen eines Jahres. Seit 2019 ist jeder sechste Job verschwunden. Das hat auch Auswirkungen auf andere Industriezweige.
Die deutsche Autoindustrie verzeichnet derzeit eine Arbeitsplatzverlustrate, die höher ist als bei jedem anderen Industriesektor. Am Ende des ersten Halbjahres 2026 waren nur noch 691.500 Menschen beschäftigt, was den niedrigsten Stand seit 2005 darstellt, berichtet das Statistische Bundesamt. Der weitere Abbau von Stellen steht bevor, was zu einem Rückgang von 42.300 Arbeitsplätzen oder 5,8 Prozent innerhalb eines Jahres führt.
Auch andere Branchen verlieren Arbeitsplätze, allerdings in einem langsameren Tempo. Insgesamt sind in der Jahresfrist 144.000 Arbeitsplätze verlorengegangen, was einem Rückgang von 2,7 Prozent auf 5,29 Millionen Arbeitnehmer entspricht. Insgesamt wurden seit 2019 in der Automobilbranche 16 Prozent der Arbeitsplätze (142.400 Stellen) weggefallen, wie die Beratungsgruppe EY in ihrem Industriebarometer feststellt.
Experte Jan Brorhilker erwartet weitere Entlassungen, da viele Unternehmen ihre Restrukturierungskurse noch nicht abgeschlossen haben. Angesichts hoher Arbeitskosten, einer schwachen Produktivitätsentwicklung und zunehmenden internationalen Wettbewerb treiben viele Unternehmen die Entlassungen in Deutschland sogar weiter fort. Die Automobilbranche steht hinter dem Maschinenbau als zweithäufigster Industriezweig in Deutschland, wobei Zulieferer von Kraftfahrzeugen mit 7,6 Prozent am stärksten betroffen sind.
Die Hersteller selbst verlieren 6,1 Prozent ihrer Arbeitsplätze. Es wird erwartet, dass der VW-Konzern – unter anderem Porsche und Audi – seine bereits laufenden Kürzungen um 50.000 Arbeitsplätze verdoppeln wird. Bosch plant, weltweit bis zu 22.000 Stellen im Zuliefererbereich zu streichen, während ZF 14.000 Stellen in Deutschland streichen wird.
Mercedes-Benz hat bereits tausende Arbeitsplätze abgebaut. Prognosen zufolge wird die deutsche Automobilindustrie bis 2030 auf 500.000 Arbeitsplätze oder weniger schrumpfen. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer bemängelt massive Kostennachteile am heimischen Standort, da Investitionen und Arbeitsplätze zunehmend aus Deutschland abwandern.
Hohe Kosten für Arbeit und Energie, langwierige Verfahren, Bürokratie und eine verfallende Infrastruktur seien Investitionshemmnisse. Unternehmen müssten sich aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend gegen den Standort Deutschland entscheiden, sagt Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie. Konsequente Local-Content-Klauseln, selektive Schutzzölle für Schlüsselbranchen und die gezielte Förderung von Zukunftstechnologien seien notwendig, um den Standort Deutschland zu stärken.
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